Die Geschichte der Imkerei zwischen Ruhr und Lippe kann man zurückverfolgen bis in die Zeit Karls des Großen
(742 – 814). Er verfügte, dass auf jedem seiner Meierhöfe Bienenvölker gehalten werden sollten um die Versorgung mit Honig und Wachs sicherzustellen.

Castrop (erst vom Jahre 1926 an Castrop-Rauxel) war bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein Ackerbürgerstädtchen. Dies änderte sich als im Laufe der Gründerjahre (1852 – 1900) Bergbau und chemische Industrie ihren Einzug hielten.

Aber immer noch waren Castrop und die umgebenden Nachbarorte (heute Stadtteile) wie Rauxel, Schwerin, Dingen, Habinghorst, Pöppinghausen, Ickern, Frohlinde, vorwiegend landwirtschaftlich geprägt. Daran erinnert auch der spätere Beiname “Industriestadt im Grünen”.

Im westfälischen Raum wurden die Bienen früher auf den Bauernhöfen in Körben gehalten. Es gibt Hinweise, dass man durch die Bienenhaltung jährlich 200 – 300 Taler Nebeneinnahme hatte. Ein Wandel in der Imkerei trat in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Der schlesische Pfarrer J. Dzierzon hatte eine neue Bienenwohnung entwickelt
- einen Kasten mit beweglichen Rähmchen – der die Bienenzucht revolutionierte.
Um diese rationelle Methode allen Bienenzüchtern nahe zu bringen, entstanden allerorten Bienenzuchtvereine. Innerhalb weniger Jahre bildeten sich im westfälisch-lippischen Raum 34 Vereine. Die Imkerei erhielt einen ungeheuren Aufschwung. Im Jahre 1867 zählte man in Westfalen bereits 106.971 Bienenstöcke!

Aber es sollte noch über 40 Jahre dauern, bis auch in Castrop die Bienenzüchter sich zu einem Verein zusammenschlossen. Am 14.3.1909 wurde in der Wirtschaft Lueg in Castrop der “Bienenzuchtverein für Castrop u. Umgebung”gegründet. Gründungsmitglieder waren folgende Imker: Schonekatte, Sander, Wolkewitz, Doedt, Stock, M. Tiggewerth, Voß, V. Kleeschulte, H. Diekhöfer, T. Walendzik und W. Schäfer.

Im § 1 des Gründungsstatuts heißt es:

“Zweck des Vereins ist die Hebung und Förderung der Bienenzucht.
Derselbe schließt sich als Zweigverein dem Imker-Kreisverbande
sowie dem Westfälischen Hauptverein für Bienenzucht an.”

Eine schwarze Kladde in der Größe eines Schulheftes gibt heute noch Auskunft über die wechselvolle Geschichte des Vereins. Bis zum Jahre 1936 wurden in dieser Kladde die Protokolle über die Versammlungen des Vereins handschriftlich festgehalten.

Gründungsmitglied Rektor Schonekatte war von 1909 bis Juli 1942 Vorsitzender des Vereins, Schriftführer Rektor Wolkewitz von 1909 bis 1933. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte auch der spätere Rektor Diercks aus Rauxel, der ab 1933 Schriftführer war und dem Verein bis zu seinem Tode im Herbst 1962 angehörte.

Anfangs versammelte man sich in unregelmäßigen Abständen drei- bis viermal im Jahr und wechselte gelegentlich den Versammlungsort. So ist häufig die Wirtschaft Lueg genannt, aber auch die Wirtschaft Siebert im Bahnhof Rauxel. Ab 1915 wird von Versammlungen im Ratskeller berichtet. Als Berufsbezeichnung für die Mitglieder finden wir: Apotheker, Betriebsführer, Lehrer, Rektor, Landwirt, Gärtner, Amtmann, Bergwerksdirektor, Bergmann, Kaufmann, Rentner.

Der Jahresbeitrag machte im Jahre 1909 1,50 Reichsmark aus. Am 10.7.1919 wurde er auf 2,00 Reichsmark erhöht und am 7.6.1925 auf 5,00  Rentenmark.
Für das Jahr 1909 werden 390 Pfund Honig, 4 Pfund Wachs und 90 Schwärme als Ertrag der Mitglieder des Vereins angegeben.

Die Haftpflichtversicherung betrug damals 4 Pfennig pro Volk und Jahr. Der Preis für den Wintereinfütterungszucker lag bei 28,00 Reichsmark für den Doppelzentner, je 100 Honiggläser kosteten 8,50 Reichsmark. Beim Verkauf des Honigs erlöste man im Jahre 1917 für das Pfund Honig 3,00 Reichsmark.

Im Sommer 1918 ist eine Notiz verzeichnet, dass an den Landrat in Dortmund
5 Pfund Honig pro Bienenvolk abgeliefert werden sollten. Man legte Beschwerde dagegen ein, “da diese Menge für die hiesige Gegend zu hoch ist, da der Nutzen der Bienenzucht nicht in der Gewinnung von Honig und Wachs allein liege, sondern hierorts hauptsächlich einen indirekten Wert darstellt (Befruchtung der Blüten und Lieblingsbeschäftigung in dienstfreier Zeit zur Erholung).”

Im Jahre 1917 hatte der Verein 17 Mitglieder, im Jahre 1924 23 Mitglieder.
Am 19.7.1918 ist die Aufnahme von Wilhelm Hövelmeier, der  von 1942 bis 1954 Vereinsvorsitzender war und Mitglied des Vereins bis zu seinem Tode.
1933 brachen andere Zeiten an, das zeigte sich auch beim Imkerverein Castrop.
Die Eingliederung in eine gemeinschaftliche Arbeitsfront erfolgte.
Der Vereinsvorsitzende hieß nun Ortsgruppenleiter, später wurde daraus Vereinsführer. Der Verein gehörte zur “Reichsfachgruppe Imker” im “Westfälischen Landesverein, für Bienenzucht”, Ortsfachgruppe Castrop-Rauxel. Nach dem zweiten Weltkrieg fand die erste Versammlung am 13. Januar 1946 statt, und zwar in der Wohnung eines Imkerkollegen. Von dieser Zeit an finden wir eine neue Bezeichnung Imkerverein Castrop-Rauxel im Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker.

Im Jahre 1948 betrug der Mitgliedsbeitrag 10,00 DM pro Jahr, einschließlich Bienenzeitung und Haftpflichtversicherung (heute 7, 00 € ohne Zeitung und Versicherung). Nachdem im Januar 1954 Wilhelm Hövelmeier als Vorsitzender des Vereins aus Krankheitsgründen zurückgetreten war, führte kurze Zeit Horst Henkel den Verein bis zu seinem tragischen Tod durch einen Verkehrsunfall im Herbst 1955.

  • Von Januar 1956 bis Juni 1974 war Martin Birke Vorsitzender des Vereins

  • ab Juli 1974 bis 1998 wurde er von Horst Epler geführt
    Anschließend leitete Bernhard Brand den Verein

  • Von Januar 1998 bis Januar 2011 war Wilhelm Erdmann der 1. Vorsitzende

  • Vom 01. Januar 2011 bis 13. Mai 2012 war Dr. Thomas Gloger der 1. Vorsitzender

  • Danach leitete Barbara Brandt den Verein komissarisch bis sie am 13. Januar 2013 zur 1. Vorsitzenden gewählt wurde

Insgesamt gehören über 100 Imker dem Verein an. Heute treffen sich die Mitglieder des Vereins an jedem 2. Sonntag im Monat um 10.00 Uhr im Hildegardisheim, Clemensstr. 60, Castrop-Rauxel.